Zum Inhalt springen

Der Platz auf der Brücke bleibt leer

  • von

wir nehmen Abschied von Sir Patrick Stewart

Seit einigen Tagen ist es still in der Pinguin-WG. Wir haben die Flossen um unsere Teetassen, Earl Grey, heiß. Sir Patrick Stewart ist gestorben. Er wurde nur 86 Jahre alt. Er folgte seinem Beruf, seiner Berufung.

Er war mehr als Captain Jean-Luc Picard. Er war ein Mensch mit Biographie, der für Werte stand, der für viel Humor stand. Mit ihm sind wir vom Sofa aus zu fremden Welten gereist. Wir haben Toleranz geübt, wir haben Akzeptanz gelebt, bis es Alltag wurde. Das andere, das Fremde, ist nicht mehr das Risiko, sondern die Bereicherung, in Vielfalt. „Mankind has always feared what it doesn’t understand.“ (Die Menschheit hat schon immer gefürchtet, was sie nicht versteht). Wir versuchen besser zu werden. Wir haben mitgefiebert, diskutiert und viel gelacht, gelegentlich vergessen, dass der Fisch im Ofen lag.

Wir haben gelernt:

„Mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet. Wenn die erste Rede zensiert, der erste Gedanke verboten, die erste Freiheit verweigert wird, dann sind wir alle unwiderruflich gefesselt.“ Star Trek: The Next Generation (TNG), Staffel 4, Episode 21: „Das Standgericht“ (The Drumhead, 1991), gesprochen von Captain Jean-Luc Picard (im Original zugeschrieben dem fiktiven Richter Aaron Satie).

Das hat uns beeindruckt. Das Böse kommt selten offensichtlich, sahen wir in der gleichen Folge. Wir haben daraus gelernt, konstruktiv und kritisch nachzufragen, die Perspektive zu wechseln, Folgen zu bedenken. Er tut dies, als er um Datas Recht freie Entscheidungen zu treffen kämpft.

Wir achten jetzt mehr auf das, was wirklich wertvoll im Leben ist: Freiheit und Humor!
Nicht nur für uns, sondern für alle.Was uns bleibt, sind besonders jene Momente, mit ihm als Picard oder X-Man, aber auch mehr als nur das. Er hat unser Interesse für Shakespeare geweckt, für das Theater. Für das Reisen, und uns ermutigt: Es ist nicht wichtig, woher wir kommen, sondern was wir tun.

Uns Pinguinen bedeutet viel, dass Patrick Stewart seine Überzeugungen auch außerhalb seiner Rollen öffentlich vertrat. Er unterstützte die Gleichberechtigung homosexueller Menschen und die Öffnung der Ehe. Die Hoffnung auf ein Zusammenleben ohne Ausgrenzung, die uns an *X-Men* berührt, fand damit auch in seinem eigenen Engagement einen Ausdruck.
Er setzte sich über Jahrzehnte gegen häusliche Gewalt ein. Er sprach über die Gewalt, die seine Mutter durch seinen Vater erlitten hatte, und unterstützte die Hilfsorganisation Refuge mit seiner Zeit, seiner Bekanntheit und beim Spendensammeln. Auch sein Einsatz für Militärveteranen gehört zu dem Menschen, von dem wir Pinguine Abschied nehmen. Patrick Stewart unterstützte Combat Stress und machte auf die seelischen Verletzungen aufmerksam, mit denen Menschen aus dem Krieg zurückkehren. Traumatische Erfahrungen entschuldigen keine Gewalt. Aber sie zu verstehen, kann helfen, weitere Gewalt zu verhindern. Verstehen kann befreien.
Darin verbanden sich zwei Seiten seiner eigenen Familiengeschichte, soweit wir wissen: die Gewalt, die seine Mutter erlitten hatte, und das Kriegstrauma seines Vaters.

Wir schätzen diese Bereitschaft, genauer hinzusehen: Betroffene von Gewalt zu schützen und zugleich das Leid dessen zu erkennen, der selbst Gewalt ausgeübt hat. Beides zusammenzudenken, ohne die erlittene Gewalt kleinzureden, ist eine anspruchsvolle Herausforderung. Auch darin sehen wir etwas von der Menschlichkeit, für die wir Patrick Stewart danken. Dafür respektieren wir ihn.

Heute bleibt der Fernseher noch einen Moment aus, die nächsten Tage gibt es erstmal wohl kein Star Trek, oder vielleicht auch besonders viel Star Trek, um zu zeigen, dass etwas von ihm doch bleibt, und die Hoffnung überwiegt.

Wir folgen natürlich dem Tipp von Deanna Troi (Marina Sirtis) und Qs Umsetzung und essen erstmal 10 große Becher Schokoladeneis je Person.

Danke, Sir Patrick Stewart.

Der Tee ist Earl Grey. Hot.

Make it so!

Godspeed, Captain

Brücke der Pinguin WG mit Pinguinen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert