Hand aufs Herz: Habt ihr schon mal versucht, eine zehnköpfige WG-Delegation sonntags morgens um Punkt fünf Uhr reisefertig zu machen? Wir – zwei Pinguine mit akutem Meerweh – können euch sagen: Das Packen dauert trotz überschaubarer Garderobe viel zu lange. Vor allem, wenn zwei Eisbären die Regenjacken blockieren und das Kaninchen Last-Minute-Möhren einsteckt.

Nachdem die Sitzordnung in unserer viel zu kleinen WG-Transporttasche endlich geklärt war, warteten wir auf dem Flur und hatten große Angst, von unseren zwei menschlichen Chauffeurs-Assistenten vergessen zu werden, der absolute Horror des Morgens. Die sanften Erinnerungen unsererseits führten dann endlich dazu, dass auch wir im Auto angeschnallt wurden.
Als der Motor endlich startete, fiel uns allen ein Stein vom Plüschherzen. Kurs: Nordsee!
Vor uns lag eine Nonstop-Fahrt, mit dem üblichen Gemecker: Es ist zu eng, ich werde zu wenig gekuschelt, ich kann gar nichts sehen, wann sind wir endlich da? Nur für einen kurzen, strategischen Zwischenstopp am Nord-Ostsee-Kanal haben wird die vierstündige Fahrt unterbrochen. Achja und natürlich, um unsere menschlischen Chauffeure bei Laune zu halten, haben wir eine Frühstückspause in Tönning eingelegt und das so kurz vor unserem Ziel.


Doch kurz vor dem Ziel passierte es. Als wir die Transporttasche öffneten und den ersten Blick auf den Deich warfen, trauten wir unseren Knopfaugen kaum: Wolle, so weit das Auge reicht! Hunderte von Nordsee-Schafen standen dort im Wind. Und für Ugnip war sofort klar: Er will ein Schaf. In der Tasche brach sofort eine WG-Krise aus. Das Kaninchen plädierte für den Familienzuwachs, die Eisbären sahen es als Kopfkissen-Konkurrenz und wir beiden dachten uns: Warum eigentlich nicht? Der kollektive Wunsch stand fest: Wir nehmen ein Schaf als Urlaubsmitbringsel mit nach Hause. Platz in der Tasche? Wird passend gemacht!
Unsere menschlichen Chauffeure zeigten allerdings absolut kein Herz für diese spontane Adoptionsidee. Anstatt den Wagen für eine Deich-Entführung an den Rand zu lenken, drückten sie stur aufs Gas. Ihre humorlose Begründung: „Die Schafe haben hier eine wichtige Aufgabe beim Küstenschutz und trampeln den Deich fest. Die können wir nicht einfach mitnehmen.“
Pustekuchen! Nur weil die Menschen das Thema für beendet erklärten, war es das für uns noch lange nicht. Während der restliche Teil der Plüsch-Besatzung (inklusive der Eisbären und des Kaninchens) sich bereits mit der schafslosen Realität abfand, lief bei uns auf der Rückbank schon die Planung für die geheime „Operation Wolle“. Wenn man uns nicht halten lässt, müssen eben andere Saiten aufgezogen werden. Das Thema Deichschaf war jedenfalls noch nicht vom Tisch.


